Michael Kohlhaas

von Heinrich von Kleist, bearbeitet für die Bühne von Christoph Roos


Premiere am 2.Dezember 2011, Theater Essen, Casa

mit: Jörg Malchow, Lisa Jopt, Jens Ochlast, Floriane Kleinpaß, Andreas Maier, Holger Kunkel
Bühne und Kostüme: Peter Scior; Musik: Markus Maria Jansen

Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=lhAauZh9Cdw


WAZ vom 5. Dezember 2011:

Wagnis und Wiedergutmachung zugleich
Selbst in schnellen Szenenwechseln und in 75 Minuten gelingt es Jörg Malchow, uns diesen Mann [Michael Kohlhaas] und sein Begehren schmerzhaft deutlich zu machen. Doch als die Spirale der Gewalt sich verselbstständigt, wird das Videobild des Aufrührers plötzlich unscharf. Ein Mensch driftet ab, nicht mehr fassbar in seinen Taten. ()
[Regisseur] Christoph Roos sorgt dafür, dass uns vieles vertraut vorkommt. Wenn der gutgläubig sich selbst dem Gericht ausliefernde Kohlhaas dann samt Mitstreitern von Unbekannt erschossen wird, sieht man Stammheim förmlich vor sich. Kleist, dessen Sprache zu Anfang noch so liebevoll gepflegt wurde, hat sich da längst verabschiedet. Als könne selbst der Autor nicht mehr begreifen, was er da in Gang gesetzt hat. Uns aber ist diese Novelle plötzlich wieder sehr nah.


Recklinghäuser Zeitung vom 5. Dezember 2011:

Aufstand der Wutbürger
Mit seismografischer Kühle, fast spröde, zeigt Regisseur Christoph Roos, wie die Bürgermoral eines rechtschaffenen Mannes zur Rebellion. () Er zeigt den schmalen Grat sich im Recht wähnender Wutbürger, die hart am Rand zu blinder Gewalt den Aufstand gegen Technokraten proben. Hochbrisant wirft der Essener Kohlhaas die Frage auf, wie weit das Recht auf Widerstand in einem Rechtsstaat reicht, der gelegentlich Zweifel an seinem Rechtsgebaren nährt. Und er entlarvt die Scheinlegitimation von Terroristen, die wie Kohlhaas' Vasallen das Land blindwütig mit blutiger Gewalt überziehen.


StadtSpiegel vom 7.12.2011:

Eine sehenswerte, überzeugende Adaption
Christoph Roos ist das Kunststück gelungen, Kleists pädagogisch strapazierte Novelle in 75 Minuten unbeschadet auf die Bühne der Jetzt-Zeit zu bringen anfangs noch in der wohlfeilen Sprache des Dichters, später im Stakkato des bluten Terrors.
Jörg Malchow (Michael Kohlhaas) stellt den Wandel des pflichtgetreuen Bürgers zum selbstgerechten Outlaw qualvoll glaubhaft dar, kongenial begleitet von einem agilen, wandlungsfähigem Ensemble.